Was für ein Theater...!
Das Brüllen der Löwen war nicht zu überhören. Das Mädchen hatte wohl wieder einmal vergessen, die Fenster im Schlafzimmer zu schließen. Und das Blatt auf dem Klavier war immer noch leer, seit Tagen leer...Aber wer hätte bei so einem Krach schon arbeiten können? Dort drüben, gleich hinter dem Bahndamm schlichen sie hungrig umher, ihr Gehege im Zoologischen Garten konnte man vom dritten Stock gut überblicken. Nun ja, zum Theater war es von der Löwengrube eben nicht weit. Außerdem verbrachte man am Theater ja ungleich mehr Zeit als zu hause. „Eugen Onegin“ sollte es am Abend geben: Und Tschaikowsky, der eigens angereist war, fühlte sich angeblich zu krank zum Dirigieren. Die deutschen Übersetzungen hatten dem über Fünfzigjährigen wohl sehr zugesetzt. Aber es half ja nichts, da musste man eben einspringen! Dabei gab es doch ohnehin schon zu viel zu erledigen, als dass man in Ruhe zum Komponieren hätte kommen können. Jeden dritten, jeden zweiten Abend verlangte Pollini einen in der Oper, an die Vorbereitungen zum Wagner-Gastspiel in London durfte man da gar nicht erst denken. Und mit dem Herrn Hausregisseur musste man wegen seiner Inszenierungen auch mal reden. Schon in Budapest hatte man sich mit solchen Dingen befassen müssen. Dort hatte es auch angefangen: Seit vier Jahren wollten die Töne einfach nicht mehr fließen...Braunes Wasser quoll aus der Leitung, ungefiltert pumpte man es aus dem Fluss, so hieß es. Und von bestimmten Vierteln sprach man hinter vorgehaltener Hand, dass man dort besser nicht hineingehen sollte, die Cholera...Nur wenige Schritte vom Stadttheater entfernt lagen sie, diese Quartiere. Im Tierpark sammelte sich unterdessen die Militärkapelle zum nächsten Angriff auf die Nerven. Der Lärm war nicht auszuhalten, schnell das Fenster geschlossen – ganz still war es mit einem Mal in der Wohnung. Wie war das noch? „Kein weltlich Getümmel hört man nicht im Himmel...“? Vielleicht sollte man sich doch noch mal etwas ans Klavier setzen...zur Oper hatte man es ja schließlich nicht weit.
Frage: Wer wünscht sich hier Muße zum Komponieren? Und in welcher Stadt wohnt der Gesuchte?
Senden Sie die Lösung bitte bis zum 31. März. 2010 an die Redaktion »Journal«, Hamburgische Staatsoper, Postfach, 20308 Hamburg. Mitarbeiter der Hamburgischen Staatsoper und ihre Angehörigen sind leider nicht teilnahmeberechtigt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
Das können Sie gewinnen:
1. Preis: Zwei Karten für »Aida« am 28. Mai 2010
2. Preis: Zwei Karten für »Falstaff« am 29. Mai 2010
3. Preis: Zwei Karten für »Daphnis/Nachmittag eines Fauns/La Sacre« am 30. Mai 2010