Immer langsam, bitte!
Vielleicht kennen Sie das ja auch: Sie sitzen in der Oper, rutschen auf Ihrem Platz immer weiter nach vorne, Ihre Finger bohren sich vor Anspannung in den Unterarm des Nachbarn – das Bühnengeschehen steht einem Action-Film in nichts nach: Alle drei Minuten drängt es den Chor auf die Bühne, es wird erst geliebt, dann gelyncht. Und am Ende dann die Szene, die beim Bühnenbildner schon Monate vor der Premiere für Albträume sorgte: In Flammen stürzt Alles über dem Bühnenpersonal, das die letzten Akte überlebt hat, zusammen. Bravo. Aber es geht eben auch ganz anders. Stellen wir das Metronom von Prestissimo einmal runter auf Largo – das richtige Tempo für unser Rätsel. Es soll heute nämlich um die Lust an der Langsamkeit gehen: Und die hält die Oper, von der diesmal die Rede ist, wie keine andere bereit. Übrigens ist das nicht in erster Linie ein Verdienst der Hauptfigur. Es herrscht vielmehr saubere Arbeitsteilung: Während der Tenor für den Vollzug der Handlung zuständig ist, beschäftigt sich sein tiefer gelegter Kollege mit der verbalen Dehnung des Geschehens auf das für den Untertitel des Werkes erforderliche Maß. Dies aber gelingt streckenweise mit bewundernswerter Virtuosität. Nach einem – sie ahnen es: „sehr langsam“ überschriebenen – Vorspiel, steht allerdings zunächst ein lockeres Aufwärmprogramm an und so beschränkt sich der Gesuchte darauf, das in Zeitlupe ablaufende Bühnengeschehen verhältnismäßig kurzweilig zu kommentieren: Mit beinahe letzter Kraft schleppt sich ein ganzer Tross von Darstellern über die Bühne – ob die es bis zum fernen Ende durchhalten? Unser Erzähler hingegen kommt derweil auf Betriebstemperatur und versorgt das Publikum wortreich mit Informationen über eine Dame, die im zweiten Aufzug von Bedeutung sein wird. Banausen, die am liebsten bereits hier „Quatsch keine Opern“ dazwischenrufen würden, steht aber erst jetzt die große Prüfung bevor: In einem herrlichen Erzähl-Exzess werden die Vorgeschichte und die Vorgeschichte der Vorgeschichte zum Besten gegeben. Nur verständlich ist es hiernach auch, dass unser erschöpfter Opernführer den zweiten Aufzug in seiner Garderobe verbringen muss – und dort von „rüstig greisenhaft“ zum „hohen Greise“ altert. Aber trotzdem: Einer geht noch! Und so hält unser Begleiter im letzten Akt das ultimative Training fürs Sitzfleisch bereit, bevor auch er sie dann nicht mehr genießerisch verzögern kann: die ersehnte Erlösung...
Frage: Wie heißt unsere beredte Opernfigur?
Das können Sie gewinnen:
1. Preis: Zwei Karten für »Aida« am 24. November 2010
2. Preis: Zwei Karten für »Chowanschtschina« am 28. November 2010
3. Preis: Zwei Karten für »Weihnachtsoratorium« am 20. November 2010