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Sonntag 04.06.2017, 18.00 - 21.00 Uhr | Großes Haus Wiederaufnahme

Benjamin Britten

A Midsummer Night's Dream

Familieneinführung um 17:15 Uhr

Turbulent geht es zu im Zauberreich der Elfen: Das Herrscherpaar Oberon und Tytania ist zerstritten, Hermia und Lysander fliehen vor Demetrius in den Wald und Demetrius wird von der verliebten Helena verfolgt. Und dann stiftet Puck mit seinem Liebes-Zaubersaft heillose Verwirrung unter den Paaren.

Inszenierung: Simon Phillips
Bühnenbild und Kostüme: Es Devlin
Licht: Nicolas Schlieper

Premiere am 26.03.2006

In englischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Unterstützt durch die Stiftung zur Förderung der Hamburgischen Staatsoper

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Die Uraufführung von „Peter Grimes“ im Juni 1945 kürte Benjamin Britten zum erfolg- sowie einflussreichsten Opernkomponisten Großbritanniens. Allzu lange war der Muttersprache des Komponisten bescheinigt worden, sich nicht für die Opernbühne zu eignen – bis Britten den Gegenbeweis antrat. Damit hatte er seine Berufung gefunden und den Grundstein zu einem Opernschaffen gelegt, das zwischen Kammer- und Kirchenoper, zwischen düsterem Männerdrama auf hoher See und leichtfüßiger Gesellschaftssatire ein großes Spektrum an Stoffen und Formen abdeckt. Zwar wird allgemein betont, Brittens Generalthema sei der Verlust der Unschuld durch destruktive Kräfte, doch aus jener Opernfolge, denen dieses Motiv zugrunde liegt, scheint „A Midsummer Night's Dream“ auszuscheren. Der Dreiakter, in dem sich Liebesdrama, Zaubertheater, Verwechslungskomödie und Opernparodie turbulent durchdringen, wird oft als Ausnahme in Brittens Oeuvre gewertet.
Der neuseeländische Regisseur Simon Phillips entdeckt jedoch auch hier das Motiv von Unschuld versus Berechnung: „Ausgangspunkt der Handlung ist nicht zufällig der Streit um einen unschuldigen Lustknaben, den sowohl Tytania als auch Oberon besitzen wollen.“ Da Tytania sich weigert, den Knaben herauszugeben, beschließt Oberon ihr einen Denkzettel zu verpassen: Ein Zaubersaft soll sie in das erste Wesen verliebt machen, das sie zu Gesicht bekommt, sei's Mensch, sei's Tier. Ebenfalls im Elfenwald befinden sich vier junge Adlige, deren Liebeshaushalt heillos ineinander verstrickt ist: Hermia und Lysander lieben sich, doch Hermia soll Demetrius heiraten. Demetrius liebt Hermia, wird aber von Helena verfolgt, die ihn begehrt. Oberon will durch seinen Zaubersaft das Gleichgewicht zwischen den Paaren herstellen, doch sein Gehilfe Puck verwechselt die jungen Leute, was die Verwirrung nur vergrößert. Schließlich sind da noch sechs Handwerker, die im Wald das tragische Theaterstück von „Pyramus und Thisbe“ (eine Variante des „Romeo und Julia“-Stoffes) proben. Puck hext einem von ihnen einen Eselskopf auf, in den sich dann Tytania, der Oberon zuvor heimlich den Zaubersaft in die Augen träufelte, unsterblich verliebt. Am Ende tut dem Elfenkönig das Durcheinander, das Zaubersaft und Puck angerichtet haben, Leid, und er sorgt für ein Happy End; sogar die Handwerker können ihr Stück bei Hof aufführen – wobei die vier Liebenden (als Zuschauer) nicht mit spöttischen Zwischenrufen sparen.
Simon Phillips und Ausstatterin Es Devlin lesen die verwickelte, aber doch wunderbar strukturierte Handlung als Parabel über das Verhältnis zwischen Chaos und Ordnung. Den ersten Shakespeare-Akt, der in der geordneten (patriarchalischen) Welt der Liebenden, ihrer Väter und Staatsoberhäupter spielt, hat Britten gestrichen. Die Oper beginnt bei den Elfen, in einer märchenhaften Welt, in der – aus dem Blickwinkel bürgerlichen Alltags betrachtet – das Chaos herrscht. Der Wald, das undurchdringbare Biotop, in dem Menschen sich verlaufen und Fabelwesen wie wilden Tieren begegnen, bildet dieses Chaos ab. Erst im letzten Bild, wenn die Liebespaare einander glücklich an den Händen halten und die Handwerker ihr Spiel einstudiert haben – für dessen Tragik die blasierten Adligen bezeichnenderweise wenig Verständnis haben –, wird der Wald verlassen, spielt das Stück in einem geordneten Innenraum.
Der gestaffelte Übergang von Ordnung zum Chaos und wieder zurück liest sich in Shakespeares Komödie als traumatisches Erlebnis. Am Ende glauben die Liebenden, das Durcheinander im Wald nur geträumt zu haben. Weltberühmtheit erlangte nicht umsonst der Monolog von Bottom, nachdem er seinen Eselskopf losgeworden ist. In Schlegels Übersetzung: „Ich hatte 'nen Traum – 's geht über Menschenwitz, zu sagen, was es für ein Traum war. Der Mensch ist nur ein Esel, wenn er sich einfallen lässt, diesen Traum auszulegen.“
Britten entführt seine Zuschauer ohne Umschweife in diesen Traum. Die Musik der ersten Takte lässt daran keinen Zweifel: Streicherglissandi wehen auf und nieder, schaffen eine Atmosphäre der Unwirklichkeit – nicht mehr Musik (die im abendländischen Kontext ja auf fixierten Tonhöhen basiert), noch nicht Geräusch. Eine Klangwelt der Dämmerung, „slow and mysterious“, wie über den Noten steht, in der wir Gestalten wahrnehmen, die sich vor unseren Augen im nächsten Augenblick schon wieder verwandeln. Immer wieder trennen die Streicherglissandi die einzelnen Gruppen im Wald voneinander und bringen gleichzeitig dessen verwunschene Stimmung in Erinnerung.
Jede der drei Personengruppen charakterisiert Britten individuell. Die Elfenwelt, ausgehend von den Glissandi, besteht aus hellen Klängen, vorzugsweise im Schlagwerk (Xylophon und Celesta); die Elfen sind ein Kinderchor, Oberon ist ein Sopranist und Tytania eine Koloratursopranistin. Die Partie des Puck hingegen, stets begleitet von verspielten Trompetensignalen, schrieb Britten für einen Akrobaten, der nicht singt, sondern spricht („Vielleicht ist er als Einziger von den Elfen in die Pubertät gekommen“, mutmaßt Simon Phillips). Bei den Liebenden verbindet sich „Große Oper“ im Orchester mit einer gewissen Förmlichkeit im Gesang; ohne Zweifel gehört die Sympathie des Komponisten mehr der Elfenwelt. Und den Handwerkern: Saftige Bläser, fröhliche Melodien und kapriziöse Effekte in den Stimmen markieren eine humorvolle, zuweilen gar volkstümliche Szenerie. Aus dem Wechsel zwischen diesen drei Klangwelten schafft Britten eine höchst vielfarbige und kurzweilige Partitur. Kein Wunder, dass „A Midsummer Night's Dream“ zu seinen meistaufgeführten Bühnenstücken gehört.
Bald nach der Uraufführung in Aldeburgh (Juni 1960) erlebte das Werk seine deutsche Erstaufführung in Hamburg am 21. Februar 1961; die Inszenierung lag in den Händen von Günther Rennert.


Information:

Ort: Großes Haus, Dammtorstraße 28, 20354 Hamburg
Preise: 6,00 EUR bis 97,00 EUR

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