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  • Monika Rittershaus
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Sonntag 25.02.2018, 19.30 - 22.30 Uhr | Großes Haus

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Péter Eötvös, Béla Bartók

Senza Sangue/Herzog Blaubarts Burg

Eine Frau findet nach langer Suche einen Mann wieder, mit dem sich ihr Leben schicksalhaft verbindet. Als junges Mädchen hatte sie einen Mordanschlag durch Rebellen auf ihren Vater und ihren Bruder überlebt, weil einer der Mörder sie gefunden, aber verschont hatte. Das Leben der Frau war ein einziger Rachefeldzug, nun hat sie den letzten Täter gefunden. Wie damals möchte sie den rettenden Blick in seinen Augen sehen und erhofft sich von ihm Absolution von ihren Taten./Judith liebt Blaubart, doch sein Ich verbirgt sich hinter den Türen der düsteren Burg seines Inneren. Wenn sie geöffnet sein werden – so hofft sie –, wird Licht und Luft in seine Seele strömen. Doch für alle Türen reicht seine Bereitschaft nicht. Blaubart sperrt Judith als vierte Frau zu den anderen, die er ermordet hat und schließt alle Türen. Es ist wieder dunkel.

Musikalische Leitung: Peter Eötvös
Inszenierung und Bühnenbild: Dmitri Tcherniakov
Kostüme: Elena Zaytseva
Licht: Gleb Filshtinsky
Dramaturgie: Johannes Blum
Video: Tieni Burkhalter

Keine Pause.
Premiere am: 06.11.2016

In italienischer und ungarischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln
Unterstützt durch die Stiftung zur Förderung der Hamburgischen Staatsoper

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Handlung

Senza Sangue

Vor Jahrzehnten, unmittelbar nach dem Krieg, dringen drei ehemalige Soldaten in das Haus eines Militärarztes ein, und, besessen von Rachedurst, üben sie Selbstjustiz und bestrafen ihn für seine Kriegsverbrechen. Der Arzt und sein halbwüchsiger Sohn werden getötet. Einer der Einbrecher entdeckt im Keller ein kleines Mädchen, das sich versteckt hat. Ihm stockt das Herz, er verschont die Tochter des Arztes und sagt niemandem etwas von seiner Entdeckung. Das Mädchen überlebt.

Jahre später.

1. Bild
Der zentrale Platz in einer Stadt. Ein alter Mann, der Lotterielose verkauft, erkennt in einer älteren Kundin das Mädchen, dem er vor vielen Jahren das Leben gerettet hat. Die Frau hat Jahre nach ihm gesucht, ihn nun gefunden und lädt ihn ein, mit ihr in einem Café in der Nähe etwas zu trinken. Der erschrockene Mann nimmt die Einladung an.

2. Bild
Die beiden sitzen im Café. Dem Mann ist klar, warum die Frau ihn gesucht hat, und dass er als Einziger von den drei Männern, die damals ins Haus ihres Vaters eingebrochen sind, noch lebt. Außerstande, den Mordvorwurf zu entkräften, überzeugt er die Frau dennoch davon, dass er sich noch immer an den Blick des kleinen Mädchens erinnert, das sich im Keller versteckt hatte. In all den Jahren ist er diese Geschichte nicht losgeworden. Die Frau schlägt vor, etwas Stärkeres zu trinken.

3. Bild
Die Frau erkennt, dass sie ihr Leben lang von dem quälenden Wunsch erfüllt war, in die Hölle jenes Augenblicks zurückzukehren, als ihr Leben so brutal zerstört wurde. Von dem Wunsch, diese Hölle wieder und wieder zu reproduzieren.

4. Bild
Der Mann und die Frau sprechen über die Umstände des damaligen Vorfalls, jeder aus seiner subjektiven Sicht. Er deutet an, dass die anderen Beteiligten an dem Überfall in der Folge unter seltsamen Umständen zu Tode gekommen seien. Dass er an diese Gerüchte glaubt, macht die Frau wütend. Sie erzählt ihm ihre Lebensgeschichte, wie sie selbst sie sieht. Der Mann bezweifelt, dass ihre Darstellung ganz der Wahrheit entspricht.

5. Bild
Der Mann bekennt, dass er nach dem, was er in all den Jahren über sie hörte, immer damit rechnete, dass sie eines Tages auftauchen und sich rächen würde. Er hätte sich im Grunde damit abgefunden, eines Tages von ihr getötet zu werden, als letzter Beteiligter an dem Überfall. Doch er habe auch die vage Hoffnung gehegt, weil er ihr damals das Leben gerettet habe, würde sie wenigstens bereit sein, mit ihm zu reden.

6. Bild
Die Frau spricht die schreckliche Wahrheit über den damaligen Vorfall aus. Inzwischen sei sie fähig, darüber zu reden. Der Mann versucht sich zu verteidigen, das Geschehene mit den Umständen des Krieges zu rechtfertigen. Schließlich sei auch ihr Vater ein Kriegsverbrecher gewesen. Doch die Frau akzeptiert keine Rechtfertigung, sie beschuldigt die Täter, aus banaler Rache gehandelt zu haben. Keine Umstände könnten das Geschehene rechtfertigen, denn sie sei damals ein kleines Mädchen gewesen, im Keller vor Angst zusammengekrümmt, und ihr ganzes Leben sei danach aus dem Gleis geraten. Der erschöpfte und zermürbte Mann bittet sie, ihn in Ruhe zu lassen.

7. Bild
Erfüllt von dem quälenden Wunsch, dass dieser Alptraum endlich enden und die rächende Kugel ihn töten möge, sagt der Mann noch, der Anblick des kleinen Mädchens, das ihn mit erschrockenen Augen aus der Kellerluke ansah, sei die stärkste emotionale Empfindung seines Lebens gewesen, dergleichen sei ihm danach nie mehr widerfahren. Aber die Frau hat nicht vor, sich zu rächen. Sie fordert den Mann auf, mit ihr ins nächstgelegene Hotel zu gehen, um miteinander zu schlafen.


Herzog Blaubarts Burg

Der Mann und die Frau in einem Hotelzimmer.

Eine fiktive Situation unter dem Namen ausgedachter Figuren zu durchleben, ist ein Mittel, Angst zu überwinden – die Angst davor, über unsere realen Alpträume zu sprechen.
Judith folgt Herzog Blaubart in seine düstere, feuchte und menschenleere Burg. Sie liebt ihn bedingungslos und folgt ihm darum ohne Zögern, verlässt ihr Vaterhaus, ihre Familie und ihren Bräutigam. Blaubart zweifelt an ihrer Aufrichtigkeit und ihrer Unerschrockenheit, doch Judith überzeugt ihn von ihrer Treue. Auch die düsteren und schrecklichen Geschichten, die sie über den Herzog und seine geheimnisvolle Burg gehört hat, schrecken sie nicht ab.
Judith entdeckt sieben gewaltige Eisentüren und will wissen, was sich dahinter verbirgt. Sie bittet Blaubart, die Türen zu öffnen, doch der Herzog warnt sie: Besser, sie wisse nicht, was sich hinter den Türen befindet. Judith fleht ihn an, es zu tun, für sie. Damit endlich Wind und Sonne in die düstere Burg dringen können. Sie bringt ihn dazu, nachzugeben, denn ihr einziger Antrieb ist die Liebe.
Hinter der ersten Tür offenbart sich ein grausames Bild, dahinter verbirgt sich eine Folterkammer.
Hinter der zweiten Tür ist ein Waffenarsenal.
Die dritte, die vierte und die fünfte Tür lässt er Judith selbst öffnen. Und sie erblickt der Reihe nach funkelnde Reichtümer, einen blühenden Paradiesgarten der Lüste und die grenzenlosen Ländereien des Herzogs. Er verspricht, ihr das alles zu Füßen zu legen, sie hätten nun alle wichtigen Türen geöffnet, nun werde seine Burg mit Leben erfüllt. Doch Judith glaubt Blaubart nicht, denn sie hat hinter jeder Tür Blut gesehen. Die Burg blutet.
Der Herzog fleht Judith an, auf das Öffnen der beiden letzten Türen zu verzichten. Aber Judith besteht darauf, und der Herzog öffnet die sechste Tür. Sie erblickt einen stillen, reglosen See. Es sind Tränen, bekennt der Herzog verzweifelt. Judith versucht zu begreifen, was seine Vergangenheit birgt. Wen hat er früher geliebt? Und woher dieser traurige Tränensee? Die Antwort liegt hinter der siebten Tür. Auf Judiths beharrliches Drängen öffnet Blaubart resigniert die letzte Tür. Der Herzog erklärt, was sich dahinter befindet. Er zählt die Namen seiner einstigen Frauen auf, die hinter der siebten Tür leben, und nennt Judith seine neue Frau, seinen wertvollsten Schatz.


Information:

Ort: Großes Haus, Dammtorstraße 28, 20354 Hamburg
Preise: 6,00 EUR bis 97,00 EUR

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