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  • Monika Rittershaus
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Mittwoch 01.03.2017, 19.30 - 21.15 Uhr | Großes Haus

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Richard Strauss

Daphne

Einführung um 18:50 Uhr

„Fremd ist das Fest mir, fremd.“ Daphne sagt dies zu Leukippos, ihrem Freund aus Kindertagen, der sie begehrt, an diesem Tag der ekstatischen Feierlichkeiten zu Ehren des Dionysos, der Daphne so unheimlich ist. Sie liebt den Ton der hölzernen Flöte. Selbst Apoll, der Gott des Lichtes, verfällt der dionysischen Magie. Auch er will Daphne besitzen, doch sie entzieht sich auch ihm. Leukippos, in Daphnes Kleidern in spiegelbildlicher Schwesternschaft, gelingt schließlich die Täuschung des Geschlechtertausches. Doch Apoll enttarnt Leukippos, ein Blitz blendet hell, und Leukippos liegt tot am Boden. Daphne trauert und wird von Zeus in einen Baum verwandelt. Strauss’ mythisierende Welt der „Daphne“ ist rätselhaft durchwirkt von freiem Kontakt zwischen Göttern und Menschen, merkwürdig aus jeglicher Zeit gerissen, sehnsuchtsvoll eine reinere Zeit phantasierend, freilich säkularisiert und ästhetisiert von Strauss’ duftiger Spätromantik.

Regie: Christof Loy
Bühnenbild: Annette Kurz
Kostüme: Ursula Renzenbrink
Licht: Roland Edrich
Choreografie: Thomas Wilhelm
Dramaturgie: Thomas Jonigk, Simon Berger

Premiere am 05.06.2016

In deutscher Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln
Eine Übernahme des Theater Basel. Unterstützt durch die Stiftung zur Förderung der Hamburgischen Staatsoper.

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Handlung
Die junge Frau Daphne lebt noch bei ihren Eltern, dem Fischer Peneios und seiner Frau Gaia. Die beiden bewirten die Schäfer und Knechte, die in der Nähe ihr Tagwerk verrichten. Alljährlich lädt Peneios zum Dionysosfest, dem „Fest der Paarung“, bei dem die Fruchtbarkeit von Tier und Mensch gefeiert wird. Heute ist es wieder so weit, zur untergehenden Sonne tönt das Alphorn durch das Tal und kündet den Beginn der Feier an. Daphne graut es vor dem Fest, bei dem sie den Blicken und Berührungen der Männer ausgesetzt ist.
Sie bittet Apollo, den Sonnengott, diese Nacht nicht anbrechen zu lassen. Denn die Nacht und die Menschen machen ihr Angst. Sie möchte ihr Leben im Sonnenlicht verbringen nur umgeben von Bäumen, Blumen und ihrem eigenen Zwillingsbild, das sie in der Quelle erblickt. Doch an diesem Abend wird sogar Daphnes Jugendfreund, der bislang ihre Scheu vor Berührungen respektiert hat, zudringlich, weil er nunmehr zu „männlicher“ Kraft erstarkt sei. Erschrocken weist Daphne ihn zurück.
Gaia versucht ihrer Tochter zu erklären, dass es unmöglich sei, sich den Kreisläufen der Natur zu widersetzen. Trotzig lehnt Daphne ab, sich für das Fest und die Männer zu schmücken. Übermütig überreden zwei Mägde den Leukippos, das Festgewand und den Schmuck der Daphne anzulegen. Damit gliche er dem Spiegelbild Daphnes, das sie so sehr liebe. In diesem Gewand könne er sich ihr nähern, ohne Gefahr zu laufen, von ihr zurückgewiesen zu werden.
Den Männern erzählt der Fischer Peneios von einem Traum: der Sonnengott selbst, Apoll, würde zum Dionysosfest erscheinen. Und plötzlich steht da ein Fremder vor ihnen, der sich als Rinderhirte ausgibt und sofort in die Runde der Männer aufgenommen wird. Die Schäfer und seine eigene Frau verlachen Peneios Phantasie, Götter würden ihn besuchen. Alleingelassen ist der vermeintliche Rinderhirte erschrocken über seine Beweggründe, das Fest zu besuchen. Er ist Apoll und will die keusche Daphne verführen. Daphne tritt aus dem Haus und fühlt sich augenblicklich zu dem Fremden hingezogen. Er ist ihr ein Wesen, das sie aus dem Schmutz, von dem sie sich umgeben sieht, emporziehen könnte und fällt ihm in die Arme. Gierig umfasst sie der Gott. Darauf sieht Daphne auch in ihm nur einen Mann, der sie begehrt und wendet sich ab.
Auch die betrunkenen Männer wollen über Daphne herfallen; die Mutter selbst redet ihr zu, sich gehen zu lassen. Leukippos nähert sich ihr, ganz gekleidet wie Daphne selbst. Der Plan scheint zu gelingen, ohne Ängste gewährt Daphne der Zwillingsschwester die Umarmung – da zwingt Apoll in rasender Eifersucht das Fest durch ein Unwetter zum Abbruch. Die Schäfer eilen davon, um ihre Herden einzufangen. Daphne und Apoll bleiben mit Apoll zurück.
Der Mensch und der Gott kämpfen als zwei Männer um Daphne. Die fühlt sich von beiden betrogen und belogen. Der verkleidete Apoll gibt sich zu erkennen, aber Daphnes Verstand kann dies alles nicht mehr fassen. Leukippos selbst provoziert den Sonnengott und es kommt zum tödlichen Streich – Leukippos stirbt. Daphne nimmt alle Schuld auf sich und erklärt dem toten Leukippos nun ihre Liebe. Apoll erkennt seine Verstrickung. Wie ein Mensch betet er zum Gottvater Daphne möge jenes Glück finden, das sie stets suchte; ein Mensch zu werden, ein Lorbeerbaum … (Christof Loy)

Hintergrund
Mit dem "Daphne"-Stoff griff Richard Strauss einen der ältesten Mythen des griechischen Altertums auf. Vorbilder dieses Stoffes sind unter anderem die Überlieferungen von den Dichtern Ovid, Pausanias und Plutarch.
Im November 1933 hatte Strauss sich mit einer Mischung aus Opportunismus und Naivität bereit gefunden, Präsident der von den Nationalsozialisten gegründeten "Reichsmusikkammer" zu werden, eine Tatsache, die einen bleibenden Schatten auf seinen Charakter und auch auf sein künstlerisches Schaffen geworfen hat. Zu Strauss’ persönlichen Zielen zählte, dass er mit Hilfe dieser Einrichtung das Herausdrängen der Juden aus dem kulturellen Leben verhindern konnte.
Dies betraf ihn unmittelbar, denn nach dem frühen Tode Hofmannsthals hatte er in Stefan Zweig einen neuen künstlerischen Partner gefunden.
Die durch beiderseitigen Opportunismus geschaffene Verbindung zwischen Strauss und den Nationalsozialisten hielt nicht lange, man stellte fest, dass der Komponist als Galionsfigur nicht zu gebrauchen war, da er eigensinnig an europäischen Kultur- und Bildungstraditionen festhielt. Der desillusionierte Strauss musste 1935 seinem jüdischen Librettisten mitteilen, dass eine weitere Zusammenarbeit nicht gestattet wurde. Zweig empfahl den Wiener Theaterhistoriker Joseph Gregor als seinen Nachfolger. Im Juli 1935 wurde Gregor von Richard Strauss zu einem Besuch nach Garmisch eingeladen um die Möglichkeiten einer zukünftigen literarischen Zusammenarbeit auszuloten. Gregor kannte die Neigung von Strauss zu Vorlagen aus dem griechischen Sagenkreis: "Im Bemühen nicht mit leeren Händen kommen" … legte er dem Komponisten das Szenario des Einakters »Daphne« vor. Dieser wiederum hatte sich schon länger mit dem Gedanken getragen, den ältesten Opernstoff der Welt zu vertonen. Noch im selben Sommer wurde mit der Arbeit begonnen. Strauss begnügte sich nicht nur mit der klanglichen Ausdeutung des Werkes, auch auf Dichtung und szenischen Verlauf nahm er entscheidend Einfluss. Am 24. Dezember 1937 vollendete er die Partitur und im Oktober 1938 fand in Dresden unter der musikalischen Leitung von Karl Böhm die Uraufführung statt.


Information:

Ort: Großes Haus, Dammtorstraße 28, 20354 Hamburg
Preise: 6,00 EUR bis 97,00 EUR

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