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Freitag 18.10.2019, 18.00 - 21.00 Uhr | Orchesterprobensaal

Opern-Werkstatt

Don Giovanni

Die Opernwerkstatt ist ein Kompaktseminar, bei dem die Teilnehmer alle wichtigen Aspekte einer Opernproduktion kennen lernen. Sie findet jeweils freitagabends von 18.00 bis 21.00 Uhr sowie am folgenden Sonnabend von 11.00 bis 17.00 Uhr mit entsprechenden Pausen statt.

(Fortsetzung am 19. Oktober von 11.00 bis 17.00 Uhr)

Das romantische Multitalent E.T.A. Hoffmann (das A. für Amadeus hat er seinem Namen aus Verehrung beigefügt) nannte dieses zwischen Komik und Ernst pendelnde Werk „die Oper aller Opern“. Recht hatte er!

Mit einer hervorragenden Sängerbesetzung und dem in Sachen Mozart besonders geschätzten Dirigenten Adam Fischer wird Jan Bosse den charismatischen Dauerverführer und Libertin auf die Bühne bringen.


Auf einer aktuellen #MeToo – Liste hätte Don Giovanni, „ein junger, äußerst ausschweifender Edelmann“ (so die präzise Personenangabe von Mozart und seinem kongenialen Textdichter Lorenzo Da Ponte) beste Aussichten sich unter den „top ten“ wieder zu finden.
Allein in seiner Heimat Spanien hat dieser Frauenheld schon 1003 Frauen „glücklich gemacht“…, festgehalten in einem geradezu akribisch geführten Faltregister von Don Giovannis Diener Leporello(!). Der Name ist Programm, die dazugehörige „Registerarie“ ein Glanzstück in italienischer Buffomanier und ein witziger Zungenbrecher für den Sänger.

Aber nur eine bezichtigt den Dauerverführer der Gewaltanwendung: Donna Anna (Sopran mit dramatischer Qualität in jeder Hinsicht), und dies in einer mehr als merkwürdigen großen Szene mit anschließender Arie vor ihrem Dauerverlobten Don Ottavio (edler Tenor, ständig bemüht seine heißblütige Verlobte zu „kalmieren“). Alle Regisseure (und auch die Zuschauer) müssen sich fragen: Was geschah tatsächlich in Donna Annas Schlafzimmer?

Und das wollen alle wissen: Wie verführt er denn nun, der Verführer aller Verführer? Das Duett mit der bräutlich geschmückten Zerlina zeigt es. Gibt es ein erotischeres Zögern, Verführen, Verführt-sein-wollen und auch wieder für Sekunden der Vernunft eben nicht, als in dieser jeder Hinsicht „hinreißenden“ Musik?

Der Schluss der Oper ist kaum zu überbieten, wenn es darum geht diesem „Bösewicht“ den entsprechenden Abgang zu verschaffen:
Während der Großteil der Handlung realistisch und in seinergeradezu an Shakespeare erinnernden Vielfalt menschlicher Fassetten fasziniert, muss ein metaphysisches Strafgericht hereinbrechen um den „Wüstling“ aus dieser Welt zu befördern.
Allerdings versagt die mit bassgewaltiger Donnerstimme auftretende Marmorstatue ihr Ziel: Selbst unter höchsten körperlichen Qualen bereut Don Giovanni nicht seinen Lebenswandel. Himmel und Hölle schleudert er immerzu sein „Nein“ zur moralischen Umkehr (Angesicht des Todes) entgegen. Da haben wir einen Anarchist nicht nur in Sachen Liebe, sondern von seiner ganzen Lebenshaltung her.
Das ist gefährlich und doppelt gefährlich, wenn es mit einer so unglaublich „verführerischen“ Musik wie der von Mozart daher kommt.

Don Giovanni ist eine der ersten Figuren der Opernliteratur,die für sich und uns die Zuschauer ein Leben in unbegrenztem Genuss und „Freiheit“ des über allem stehenden Wollens/Willens fordert.
So etwas ruft zur Stellungnahme auf: Künstler aller Gattungen, Dichter, Philosophen, Musiksoziologen etc. beschäftigen sich mit dem „Mythos Don Juan“ und kommen zu erstaunlichen Rückschlüssen.
E.T.A. Hoffmann hat in seiner dichterischen Hommage „Don Juan“ eine gänzlich andere (bürgerliche) Sichtweise auf den erotischen Dauertrieb des „Herrn Hans“ entwickelt, die nicht ohne Folgen für die Rezeption der Oper Mozarts bis auf den heutigen Tag blieb.

Aber davon mehr in der Opernwerkstatt, die sich der Fülle von Musik und Stoff mit anarchischer Freude annehmen wird und Sie einlädt doch genauer diesen Herrn Hans (so der bewusst gesetzte Allerweltsname des Helden seiner diversen Autoren) kennen zu lernen.
Eine besonders gelungene Inszenierung von Deborah Warner von den renommierten Glyndebourner Festspielen und unter der vitalen Leitung des leider viel zu früh verstorbenen Yakov Kreizberg wird uns medial begleiten.

Ort: Orchesterprobensaal, Kleine Theaterstraße 1, 20354 Hamburg
Preis: 48,- EUR

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