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Freitag 06.03.2020, 18.00 - 21.00 Uhr | Probebühne 3

Opern-Werkstatt

Norma

Die Opernwerkstatt ist ein Kompaktseminar, bei dem die Teilnehmer alle wichtigen Aspekte einer Opernproduktion kennen lernen. Sie findet jeweils freitagabends von 18.00 bis 21.00 Uhr sowie am folgenden Sonnabend von 11.00 bis 17.00 Uhr mit entsprechenden Pausen statt.

(Fortsetzung am 7. März von 11.00 bis 17.00 Uhr)

Belcanto - Belcantissimo - NORMA !

Die Auftrittsarie "Casta Diva" der Druidenpriesterin NORMA ist ein Meilenstein in der an Höhepunkten nicht gerade armen Operngeschichte Italiens.
Und trotzdem: Diese Arie ist der Inbegriff des Belcanto geworden, eines, so wörtlich übersetzt, "Schöngesangs", der aber nicht nur aus einem technischen Hervorbringen makelloser Töne, Atemtechnik und Phrasierungen besteht, sondern ein "beseelter Gesang" ist, der jede noch so winzige menschliche Regung und Empfindung auszudrücken weiß.
Es kommt also auch und ganz besonders auf die geistige Durchdringung des Gesangs an. Bloßer "Schöngesang" verfehlte das, was Bellini hier so unvergleichlich komponiert hat. Die Sängerin muss zur Sängerdarstellerin werden und ihr Medium ist die zentrale Gesangslinie.
Eine riesige Herausforderung, ähnlich den Monologen der großen Bühengestalten im Sprechtheater.

Die OPERNWERKSTATT schafft Klarheit wie zwischen nur schönem Singen und Belcanto zu unterscheiden ist.

Kein Wunder, dass die Rolle der NORMA in einem Atemzug mit Maria Callas in Verbindung gebracht wird. Sie hat, auch in stilistisch vorbildlicher Weise, diese und andere zentrale Belcantorollen auf die Opernbühnen zurückgebracht.
Aus der zur zirzensischen Koloraturzwitschermaschine herabgewürdigten "Lucia di Lammermoor", hat sie wieder ein erschütterndes Frauenschicksal werden lassen und dies mit rein vokalen Mitteln!
In NORMA aber steigert sie die Zerissenheit der Titelfigur zur Größe einer "Medea" im Sinne des klassisch griechischen Dramas.
Apropos: Die einzige Filmrolle (Sprechrolle), die die Callas spielte ist die "Medea" gewesen.
Medea, mit ihr hat NORMA deutliche Übereinstimmungen, aber ebenso mit "Aida" und ihrem aus privater Liebe begangenem Verrat an der Vaterlandsliebe. Die Liebes- und Leidensgeschichte dieser starken und dabei so verletzlich wie sensiblen "Norma" ist auch ein Stück Autobiographie der Callas. Aber das ist eine andere Geschichte...

Kurz: Wer die gesangliche und stimmdarstellerische Summe der NORMA begreifen will, kommt nicht an der Callas, der "Primadonna assoluta" in dieser Rolle vorbei.

Die OPERNWERKSTATT führt die entsprechenden Tonbeispiele mit der Callas vor, aber auch ihre Nachfolgerinnen wie Sutherland, Caballé, Bartoli und Hamburgs NORMA Marina Rebka!

Die Fixierung auf das Sängerische in dieser Oper führte dazu, dass man das Szenische für vernachlässigungswürdig hielt.
Was für ein gravierendes Missverständnis!
Die Nähe zum Medeastoff schreit förmlich nach einer szenischen Realisation.
Auch die anderen Figuren sind keine Pappkameraden:
Pollione, ein Wesensverwandter zu Jason von Medea, der mit NORMA ein langes ehe ähnliches Verhältnis inklusive Kinder hat, wird ihrer "überdrüssig" und ist zudem der Chef der Besatzungsmacht in NORMAS Heimat.
Pollione wendet sich der knackfrischen Jungfraupriesterin Adalgisa zu und will sie mit sich nach Rom nehmen...

Adalgisas Chefin ist NORMA.
Ihr, der so klugen und erfahrenen Oberpriesterin vertraut sich die junge Frau in ihrem Zwiespalt an: Herbe Gewissensbisse plagen sie gegenüber keuschem(!) Priesterinnendienst und Vaterland, denn sie fühlt wie sie dem feschen Charme des Fremdbesatzers Pollinone erliegen wird, dessen Namen sie zunächst verschweigt.
Als die Katze, oder besser der "Kater" aus dem Sack ist, kracht es gewaltig:
NORMA wird zur rachsüchtigen Medea: Pollione, Adalgisa und sogar ihre Kinder, in denen sie plötzlich nur noch die widerlichen Abziehbilder des Besatzers erkennen will, sollen sterben. Damit nicht genug: Alles Römische soll vernichtet werden und sie die Oberpriesterin hat die Macht dazu! Ein Wort von ihr, und die schon zu lange unter Besatzung stehende Bevölkerung würde nur zur gerne die Römer abschlachten. Die private Tragödie wird zur politisch gesellschaftlichen.
Es kommt anders...
Und dies alles in Abendkleid und Frack als konzertante Wiedergabe?

Auch in Hamburg ist NORMA seit Jahrzehnten nicht mehr szenisch gegeben worden, zuletzt konzertant mit Edita Gruberová.
Jetzt kommt eine ambitionierte Neuinszenierung: Yona Kim, die als Librettistin und Uraufführungsregisseurin  von Peter Ruzickas "Benjamin" hervortrat, wird in den Bühnenbildern von Christian Schmidt inszenieren.
Paolo Carignani, quasi Chefdirigent fürs italienische Repertoire in Hamburg, steht erneut am Pult und Marina Rebeka, eine Operndiva der Sonderklasse, wird zeigen, dass es auch nach der Callas Sängerinnen gibt, die dieser herausfordernden Rolle mehr als nur gewachsen sind.

Die Vermittlung von Text, Musik und Vorstellung der neuen Inszenierung wird wie immer der Leiter der OPERNWERKSTATT Volker Wacker detailreich, fundiert und abwechslungsreich an Hand von Bild- und Tonmaterial vornehmen und als passionierter Hobbykoch Tipps für die richtige Zubereitung der "Pasta alla NORMA" geben.

Ort: Probebühne 3, Kleine Theaterstraße 1, 20354 Hamburg
Preis: 48,- EUR

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