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Samstag 18.03.2017, 19.00 - 22.30 Uhr | Großes Haus

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Gioachino Rossini

Guillaume Tell

Einführung um 18:20 Uhr

Die Liebe zwischen dem schweizerischen Untertanensohn Arnold und der österreichischen Despotentochter Mathilde hat kaum Überlebenschancen. Tell führt die Aufständischen an („Freiheit oder Tod!“), Mathilde läuft über, und die Schweiz ist befreit. Der französischen ‚Grand Opera’ sagt man nach, sie kleide stets eine Liebesgeschichte in ein pittoresk-historisches Gewand, überwältige das Publikum mit einem Übermaß an Theatermitteln, lasse aber tiefere Einsichten in historische Zusammenhänge beiseite. Und doch gelang es Rossini (und Schiller), dass nach einer Vorstellung des „Guillaume Tell“ im Juli 1830 die Zuschauer direkt aus der Oper auf die Barrikaden gingen und einige Tage später Louis-Philippe König von Bürgers Gnaden wurde. Rossini setzt italienische Direktheit gegen genretypischen Ziergesang. Es ist Rossinis erste ‚Grand Opera’ und zugleich sein letztes Werk für die Bühne.

Inszenierung: Roger Vontobel
Bühnenbild: Muriel Gerstner
Kostüme: Klaus Bruns
Licht: Gérard Cleven
Dramaturgie: Albrecht Puhlmann

Premiere am 06.03.2016

In französischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln

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Gioacchino Rossinis große französische Oper in vier Akten „Guillaume Tell“ ist die letzte Oper des gefeierten Komponisten – und gleichzeitig seine ambitionierteste. Sie wurde am 3. August 1829 in Paris uraufgeführt und kreierte gewissermaßen eine neue Gattung, die der Grand opéra. Ihr Einfluss jedenfalls auf Meyerbeer, Halévy oder Hector Berlioz und dessen „Les Troyens“ bis hin zu Verdis französischem „Don Carlos“ ist kaum zu unterschätzen. Gleichzeitig ist Rossini mit seiner Anverwandlung der Geschichte vom helvetischen Freiheitshelden ein wahres Meisterwerk gelungen.

Rossini wählte sehr sorgfältig das Sujet aus verschiedenen Vorschlägen der Pariser Operndirektion aus. Mag sein, dass die Wahl eines Wilhelm Tell-Stoffes durch das politische Klima (das dann zur Juli-Revolution 1830 führte) beeinflusst wurde, das auf den Bühnen Themen wie Freiheit und Unabhängigkeit begünstigte. Rossini aber, der seine dezidiert konservativ-royalistischen Überzeugungen immer sehr pointiert vertreten hatte, mag durch andere Elemente der sehr vielschichtigen Vorlagen (zu denen nicht allein Friedrich Schillers „Wilhelm Tell“ gehörte) inspiriert worden sein.

Die patriotische Idee und ein noch vorromantisches Naturgefühl bilden die beiden Pole der dramaturgischen Tiefenstruktur, zwischen denen sich die divergierenden Leidenschaften vor allem des Schweizer Heerführers Arnold Melchthal und der Habsburger Kaisertochter Matilde musikalisch überaus wirkungsvoll entfalten können. Es ist die Freiheit einer selbstbestimmten Liebe, die sich in einer von Rossini grandios entfalteten und klanggewordenen Natur zunächst frei aussingen kann, um dann an den politischen Verhältnissen grausam zu scheitern.
Von dieser Geschichte der zwei Königskinder, die nicht zueinander finden können, ließ sich Rossini inspirieren - und das vor dem Hintergrund eines durch Fremde besetzten Landes. Gegenpol zum Liebespaar bildet dabei ein einflussreicher Mann, dem diese Besetzung, ja Überfremdung seines Landes zur Qual wird. Ihm, den wir als Wilhelm Tell kennen, geht es um das „schöne Früher“, geht es um eine Rekonstruktion einer imaginierten Schweizer Idylle und Überwindung der Besatzung durch die Habsburger.

Zu Beginn der Oper sehen wir ein durchaus selbstzufriedenes, feierlustiges Schweizer Volk, das in einer friedlichen Koexistenz mit den sogenannten Besatzern lebt. Für Tell aber ist dieser scheinbar idyllische Zustand unerträglich. Um diesen Frieden zu zersetzen ist ihm jedes Mittel recht. Selbst der unmittelbare Zweikampf mit dem habsburgischen Landvogt Gessler mit dem berühmten Apfelschuss auf den eigenen Sohn, ist ihm da nur Mittel zum Zweck.

Dieser Grundgedanke bestimmt die szenische Ausgestaltung der Hamburger Aufführung. Angelehnt an die Architektur der im 19.Jahrhundert so beliebten Panoramen wird im Rundbau der Bühne Ferdinand Hodlers Bild „Die Einmütigkeit“ zu sehen sein. Es wird gerade restauriert. Mit dieser Restauration des Gemäldes sind der berühmte Innerschweizer Wilhelm Tell und seine Anhänger befasst und meint insgesamt die Restauration einer Ideologie als Staatsform. Mit dem Rütli-Schwur durch die Gründungsmitglieder einer unabhängigen Eidgenossenschaft zur Mitte der Oper ist auch die Restaurierung des Bildes mit dem sprechenden Titel abgeschlossen. Im weiteren Verlauf der Oper geht es darum, dass den künstlerisch gestalteten, patriotischen Gefühlen im historischen Gewand zu politischem und durchschlagskräftigen Leben verholfen werden: jede andere, fremde Kultur wird ausgegrenzt und eliminiert.

Daran scheitert die Liebe zwischen Matilde und Arnold, der Habsburgerin und dem eidgenössischen Helden. Sie allein könnte den Tell'schen Fundamentalismus überwinden, wird aber von Tell zerstört und ist damit zum Scheitern verurteilt: die Restauration frißt ihre Kinder.

Albrecht Puhlmann


Information:

Ort: Großes Haus, Dammtorstraße 28, 20354 Hamburg
Preise: 7,00 EUR bis 119,00 EUR

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